Familienverband Luyken



Matthias Hilger (*1987)
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Briefe

Ludwigshafen, 7.2.2012


Matthias Daniel Hilger, Generation 12, Ref.Nr. 12-bk1528 (BK1528) Ast WL-C UEL

Geboren: 27.9.1987 in Deggendorf

Beruf: Student der Chemie in Karlsruhe

Vater: C. P.
Mutter: Gabriele Hilger





Stammbaum Matthias Hilger


Hendrich Luyken
(ca. 1550-1607)


Hermann Luyken
(1589-1630)


Johannes Luyken
(1624-1691)


Daniel I Luyken
(1665-1724)



Daniel II Luyken
(1703-1784)


Daniel III Luyken
(1733-1807)


Johann Albert Luyken
(1785-1867)


Carl Luyken
(1863-1938)



Emma Luyken
(1890-1980)

Arnold Hilger
(*1916)

Gabriele Hilger
(*1952)

Matthias Hilger
(*1987)
 


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Bildergalerie Matthias Hilger


16.4.2006 (90. Geburtstag von Arnold)
Hinten: Ekkehard, Chefzi, Naftali, Gabriele und Benjamin
Vorne: Cornelia, Matan, Helga, Arnold und Matthias

Dezember 2005

Oktober 2006
Matthias, Gabriele und Benjamin

2008


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Briefe Matthias Hilger

Karlsruhe, 22.05.2007

Hallo,

Hallo, in den letzten vier Wochen hat sich mein Leben ein weiteres Mal innerhalb eines Jahres komplett geändert und ich denke es ist Zeit, euch darüber zu informieren. Ich selbst schreibe eigentlich eher weniger gern Rundbriefe, aber auf der anderen Seite ist es bei der Menge an Ereignissen auch nicht besonders sinnvoll sie jedem aufs neue zu schildern. Es ist Sonntag um 17:12 Uhr. Ich bin recht spät aufgestanden und habe um 10 Uhr gefrühstückt und mich danach gleich in die Arbeit für die Uni gestürzt (obwohl draußen die Sonne scheint!) und eigentlich möchte ich heute noch Reis mit Gyros und Salat kochen.

Vor recht genau einem Monat haben die Veränderungen angefangen - denn die letzte Woche beim Musikkorps der Bundeswehr begann. Sie war sehr ereignisreich, denn schon früh am Montag ging's los mit einer Unterrichtseinheit, die eigentlich nach fünf Minuten nur noch wichtig war, wenn man unbedingt Reservist sein wollte - traf für mich nicht unbedingt zu, also hatte sich das erledigt. Danach kam der Auskleidungsappell an die Reihe - das heißt auf dem Flur packt jeder seine Sachen in bestimmte größere Behältnisse - und da einige da irgendwie Probleme hatten dauerte das DREI!!! Stunden, was man eigentlich auch in einer hätte schaffen können.

Am Abend feierten wir unseren Abschied - wir haben beschlossen zu grillen, bereits die letzten Tage war wunderschönes Wetter und so war es schön warm. Herr Hauptmann und ein Feldwebel der mit im Block U6 wohnte feierten noch mit uns, unser direkter Vorgesetzter der Spieß aus irgend einem Grund nicht - ich konnte mir denken warum... Am Mittwoch war die Auskleidung - und dass war für uns Musiker ein echter Witz, denn offenbar hatte niemand die Organisation übernommen, das heißt wir waren überall nicht mit eingeplant.

In der Früh gaben wir erst Mal Mantel und Schuhe ab - dass heißt, ich hatte nur Mäntel, denn meine Schuhe hatte ich mit Erlaubnis bereits nach Haus genommen - nur dass das dort niemanden interessierte, ich sollte einfach über alle vier Paar Schuhe (darunter zwei Paar Kampfstiefel) eine Schadensmeldung schreiben, dass sind dann lediglich 200,- Euro...

Unser Versorgungsunteroffizier hat mir dann zwei Paar Stiefel von einem mir unbekannten Feldwebel geliehen, und ich hab noch ein zweites Paar von einem Kameraden besorgt und das letzte Paar Sportschuhe, nun ja das kommt eben auf die Liste. Weiter ging es aus der Kaserne zur Bekleidungskammer - dort lief bei mir alles gut, da ich alles hatte - nur dass wir warten mussten, bis ein ganzer Zug vom Wachbataillon ausgekleidet wurde - und dann warteten wir bis die Leute von der Bekleidungskammer Kaffee getrunken hatten, und dann erst wurden wir ausgekleidet - und während der ganzen Zeit wartete der Zug des Wachbataillons auf uns (naja die sinds gewohnt) - echt gute Organisation eben.

Mittwoch Abend grillten wir noch mal und spielten ein letztes Mal in unserer alten Runde Poker, war ein netter Abend, wenn er nur nicht einen schlechten Beigeschmack gehabt hätte, denn drei Kameraden beschlossen auf dem Exerzierplatz zu trommeln, was einigen Anwohnern nicht passte...

Am Donnerstag Nachmittag hatten wir dann ein Antreten - beim Hauptmann und beim Chef - dass hat man eigentlich nur wenn man befördert wird, insofern kein gutes Zeichen. Es verlief auch nicht gut, denn der Chef sagte uns wie enttäuscht er von unserem Jahrgang war und warnte Dominik und mich im Konzert heute Abend irgend einen Abschiedsstreich zu bringen. Das überraschte uns beide, denn wir hatten nichts der gleichen geplant. Am Abend redete ich dann auch mit unserem Chef darüber, da ich dass Gefühl hatte wenn mein Chef nach neun Monaten so einen Eindruck von mir hat habe ich mich eigentlich neun Monate umsonst angestrengt - und das wollte ich nicht auf mir sitzen lassen. Aber das ganze klärte sich auf, denn er meinte er hätte auch nicht unbedingt uns gemeint, nur dass es in der Vergangenheit eben öfters solche Fälle gegeben hat und er einfach Vorbeugen wollte...

Das letzte Konzert verlief großartig - und ich war stolz darauf so viele Konzerte beim MkBW mitgespielt zu haben. Am Freitag begannen dann die Verhöre über die Trommelaktion und eine andere Sache, die mit dem absichtlichen Betätigen eines Feuerlöschers zu tun hatte - unser Chef hatte eigentlich Urlaub und kam trotzdem in die Kaserne. Ich fand es schade, dass alles so endete, aber das ist nun mal so. Ich wurde als drittes ins Büro des Oberstleutnants gerufen und...

..bekam Glückwünsche zu meinem "viel zu guten" Abschlusszeugnisses. Er gratulierte mir und sagte, dass er auch im Gespräch gestern noch einmal gemerkt hat dass es mir nicht egal, was für einen Eindruck ich hinterlassen habe. Ich für meine Leistungen am Instrument und für meinen Umgang mit den Kameraden und Vorgesetzten ein "sehr gut" bekommen nebst einer makellosen Bemerkung! Das wars also, neun Monate zusammengefasst auf einem Blatt Papier - und das beste Ergebnis das man sich wünschen kann, es hat sich also gelohnt!

Bis Sonntag blieb ich noch in der Kaserne, da ich erst am Sonntag Nachmittag die Wohnung in Karlsruhe beziehen konnte. Also verließ ich Sonntag Nachmittag bei strahlendem Sonnenschein den Block U6 und die Kaserne, vermutlich für immer, ein Kapitel geht zu Ende.

Um 17:01 Uhr kam ich in Karlsruhe an, nahm mir ein Taxi in die Moltkestraße und bekam dort von meinen Vermietern den Schlüssel. Eine halbe Stunde später schloss ich die Tür hinter mir und ich wurde mir bewusst, dass es meine erste eigene Wohnung ist (auch wenn es nur ein Zimmer ist, aber da eine Trennwand eingezogen ist und so zwei Zimmer entstehen, nenne ich es Wohnung). Ich schreib eine SMS die meine Situation, denk ich, recht gut traf: "Ein großer Moment für mich, ein kleiner Moment für die Menschheit..."

Als erstes setzte ich mich ans Klavier und spielte ein bisschen, dann nahm ich mein Tagebuch und ging in den nahegelegenen Stadtpark und schrieb. Am Montag begann die Orientierungsphase, ich lernte neue Leute kennen, die Uni wurde uns gezeigt, der Vorlesungsplan wurde erstellt und man erfuhr so manches nützliche. Aber irgendwie waren die Tage doch fade, denn wenn ich am Nachmittag heim kam war die Wohnung noch komplett leer, bis auf den Schreibtisch und das Klavier, sonst waren noch alle Schränke leer - es wurde Zeit dass ich endlich richtig einzog.

Und bald darauf war es auch soweit - am Ostermontag früh fuhren Mama und ich nach Karlsruhe, das Auto voll mir meinen Sachen. Am späten Nachmittag kamen wir an und packten aus - und so lange dauerte es gar nicht bis alles eingerichtet war. Am nächsten Tag in der Früh gingen wir dann noch zum nahe gelegenen Aldi und kauften viele Vorräte ein und räumten sie dann noch ein, aber dann war es auch Zeit für Mama, dass sie wieder zurück nach Deggendorf fuhr, und es war kein leichter Anblick als ich das blaue Auto hinter den Bäumen verschwinden sah und ich wusste, das ich sie so schnell nicht mehr wieder sehen würde.

Aber Ablenkung kam bald - am nächsten Tag begann der Mathevorkurs in dem unsere Grundlagen aufgefrischt wurden. Er dauerte bis zum Wochenende an, am Wochenende selbst war ein Probenwochenende des Ostbayerischen Jugendorchesters, und am Montag begannen die Vorlesungen. Als ich in der Früh durch den Park ging fühlte ich mich zum ersten Mal richtig "studentisch"...

Ich hatte Glück - die erste Vorlesung war gleich bei einem Professor der seine Vorlesung zu gestalten wusste - und es machte richtig Spaß. Jetzt am Ende der Woche kann ich auf viele weitere gute Vorlesungen zurückblicken, nur eine ist recht langweilig, dummerweise im wichtigsten Fach überhaupt (Anorganische Chemie I), denn ohne in diesem Fach zu bestehen geht's nicht weiter, aber da der Stoff auch zum größten Teil noch aus Schulwissen besteht denk ich ist auch dass nicht ein unüberwindbares Problem...

Mitten in der Woche kam auch ein Päckchen von Mama mit neuen Vorhängen (die alten hatten grauenhafte Farben!!!), zwei Tischdecken und zwei Kissenbezügen. Der Fernseher in meinem Zimmer war so gestellt, dass man vom Bett aus sehen konnte, die Kissen dienten als Rücklehne und die Tischdecken verdeckten den Tisch und eine Kommode. Die Möbel in meinem Zimmer waren eigentlich alle nicht besonders ansehnlich, der Hammer war aber das Sofa, dass nur da stehen sollte bis das eigentliche Sofa kommt, jedoch ist dass was jetzt hinter mir unter einer BW-Decke eingehüllt steht wohl aus einem Museum entwendet worden, denn es war ein richtiges Antik-Sofa mit geschnitztem Holz und Mustern im Stoff. Was auch dafür spricht ist, dass als ich mich das erste Mal darauf gesetzt hatte eine der Stoff an der Unterseite riss und eine Feder heraussprang...

Was für mich ganz neu ist ist das Kochen und Backen für mich. Gekocht hab ich schon ein Paar mal, einmal Omlett, einmal Gemüse mit Reis. Öfters mach ich mir einen Salat zur Brotzeit (wobei man sich über den Essiggehalt des Dressings streiten kann ;-) ), gestern aber hab ich mir zum ersten Mal ein eigenes Brot mit Sauerteig gebacken! Am Nachmittag fing ich an, mischte, ließ die Teige gehen (da zu dieser Tageszeit die Sonne in mein Zimmer scheint hatte sie auch was beizutragen, normalerweise erhitzt sie dass Zimmer nur auf schwer zu ertragende Temperaturen, wenn ich dann mal im Park sitze ist dass natürlich was anderes...), gab ihn in Formen und backte schließlich - und heraus kamen drei wunderbare dunkle, knusprige Laib Brot! Als ich die erste Scheibe probierte war dass auch einer der denkwürdigen Momente der letzten Zeit...

Meinem Mitbewohner den ich auch kosten ließ (er hatte vorher schon gegessen, ich musste mir also keine Sorgen machen) schmeckte es auch richtig gut - und wenn es nicht nur mir so vorkommt muss es ja stimmen. Damit wären wir am heutigen Tag angelangt, morgen geht es weiter mit der zweiten Vorlesungswoche - ich freu mich drauf!

Liebe Grüße

Euer

Matthias


Mein Schreibtisch mit
"Blick auf Karlsruhe"

Bett mit beschriebenem Kissen und Fernseher

 

Ich mit meinem ersten, selbst gebackenen Brot

Alle drei Laib beim ersten Backen

Verdecktes Sofa und österlich dekorierter Tisch,
im Hintergrund Kommode


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